Lehrfahrt zum Chiemsee - Gartenbauverein Fürsteneck
Auf den Spuren der Römer und König Ludwigs
Kultur-Lehrfahrt der Gartler an den Chiemsee
Von Walter Peschl
Fürsteneck. An das „Bayerische Meer“, den Chiemsee, führte dieses Jahr die Lehrfahrt des Gartenbauvereins Fürsteneck, die in Zusammenarbeit mit der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) organisiert worden war.
Auf dem Programm stand dabei als Erstes die Besichtigung des Römermuseums in Seebruck, das mit zahlreichen regionalen Funden aus der Hallstatt- und La-Tene- sowie Römerzeit, aber auch aus der Jungstein- und Völkerwanderungszeit dokumentiert, dass das Chiemsee-Gebiet über Jahrtausende Anziehungspunkt und Siedlungsgebiet war.
In der Keltenzeit war das Land um den großen See Teil des keltischen Königreichs Noricum, das über lange Zeit gute Beziehungen zu den Römern pflegte, ausgiebig Handel mit ihnen trieb und schließlich im 1. Jahrhundert n. Chr. unter Kaiser Claudius „relativ friedlich“ dem Römischen Reich eingegliedert wurde. Seevbruck wurde nach dem hier verehrten lokalen Wassergott Bedaium genannt, erfuhren die 47 Teilnehmer bei einer hochinteressanten Führung durch Johanna Lederer. Zu sehen waren in den Vitrinen Gebrauchsgegenstände wie Töpferware, Geräte und Waffen, gefertigt aus dem damals berühmten norischen Eisen, sowie Schmuckgegenstände. Auch über religiöse Vorstellungen der Kelten und Römer, über die Lebensumstände von Soldaten, Kaufleuten, Bauern und Sklaven wusste Lederer zu berichten. Die Kinder konnten sich nebenbei am Mahlen von Mehl und Legen von Mosaiken versuchen, so dass sich der Vormittag auch für sie recht kurzweilig gestaltete. Schließlich wurde noch auf den römischen Ziergarten und seine mediterranen Pflanzen wie Weinraute, Rose oder Lavendel verwiesen, die die Römer in den Norden ihres Reichs gebracht hatten und die auch die „wilden Jahrhunderte“ der folgenden Völkerwanderungszeit überdauert haben.
Nach der Besichtigung des Römergartens und dem anschließenden Mittagessen fand die Lehrfahrt ihre Fortsetzung auf der Herreninsel, wo neben der Erkundung des Schlossparks eine Führung im Schloss Herrenchiemsee, das König Ludwig II. nach dem Vorbild von Versailles erbauen ließ, auf dem Programm stand. Auch hier konnte man auf spannende wie amüsante lebendige Art „Geschichte durch Geschichten-Erzählen erleben“. So erfuhr man, dass Ludwig II. zwei prunkvolle Schlafzimmer auf Herrenchiemsee hatte – eines zum Anschauen und eines zum Schlafen. Auch waren für Besucher zwei Wartezimmer vorhanden, obwohl er hier nur insgesamt zehn Tage seines Lebens verbrachte und dabei ohnehin keine Gäste empfangen hat.
Beeindruckt von der Fertigkeit der Architekten, Planer, Bauleute, Handwerker und Künstler, aber auch nachdenklich hinsichtlich des immensen Luxus, Aufwands und der hohen Kosten sowie versehen mit weiteren Informationen über Ludwigs Leben, Denken, seinen „Bauwahn“ und das daraus resultierende leere Staatssäckel bis hin zu seinem sagenumwobenen Tod im Starnberger See, ging es am frühen Abend zurück in Richtung Heimat mit dem Gefühl, einen gelungenen Ausflug erlebt und Neues entdeckt zu haben.



